Ein gefälschtes Analysezertifikat erkennt man selten daran, dass es schlecht aussieht. Die meisten sehen gut aus. Man erkennt es daran, was fehlt – und was sich nicht überprüfen lässt. Sechs Merkmale trennen einen Prüfbericht von einer Grafik mit einer Zahl darauf.

1. Keine Chargennummer
Zunächst das häufigste und zugleich schwerwiegendste Merkmal. Ohne Chargennummer bezieht sich der Befund auf nichts Bestimmtes. Folglich kann er von einer Lieferung vor zwei Jahren stammen, von einem anderen Hersteller oder von einer Probe, die mit Ihrer Ware nichts zu tun hat.
Deshalb muss die Nummer auf dem Zertifikat mit der Nummer auf dem Etikett übereinstimmen. Stimmen beide nicht überein, ist das Dokument für Ihre Charge wertlos – auch wenn es echt ist.
2. Reinheit ohne Methode
„Reinheit 99 %“ ist keine Angabe, sondern eine Zahl. Erst die Methode macht sie nämlich vergleichbar. Bei Peptiden ist das üblicherweise die Umkehrphasen-HPLC mit Angabe von Säule, Gradient und Detektionswellenlänge.
Fehlt die Methode, dann lässt sich nicht sagen, worauf sich die Prozentzahl bezieht: auf die Peakfläche im Chromatogramm, auf den Gehalt, auf etwas anderes. Zwei Zertifikate mit „99 %“ können völlig unterschiedliche Aussagen treffen.
3. Kein benanntes Labor
Steht dagegen kein Labor mit Namen und Anschrift auf dem Bericht, dann steht hinter der Zahl niemand. „Third-party tested“ ohne Nennung des Dritten ist eine Behauptung über eine Behauptung.
Ein benanntes Labor ist hingegen überprüfbar: Sie können es anrufen, seine Zulassungen ansehen, im Zweifel den Prüfbericht bestätigen lassen. Genau das ist der Zweck.
4. Keine Prüfbericht-Nummer und kein Datum
Ein Prüfbericht ist ein Dokument mit eigener Identität. Nummer und Prüfdatum machen ihn außerdem zitierbar und auffindbar. Fehlen sie, ist der Bericht nicht rückverfolgbar – und ein Labor, das Berichte ausstellt, nummeriert sie immer.
Prüfen Sie zudem die Zeitlogik: Ein Prüfdatum, das vor dem Herstellungsdatum der Charge liegt, ist ein hartes Ausschlusskriterium.
5. Nur ein Ausschnitt statt des ganzen Dokuments
Ein zugeschnittenes Bild mit dem Chromatogramm, ohne Kopf- und Fußzeile, ohne Auftraggeber, ohne Unterschrift: Das ist erfahrungsgemäß der häufigste Weg, ein echtes Zertifikat für eine falsche Charge zu verwenden. Verlangen Sie den vollständigen Scan.
Genau aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Zertifikate als komplette Seiten unter Zertifikate und nicht als Ausschnitt.
6. „CoA auf Anfrage“
Kein Fälschungsmerkmal im engeren Sinn, aber das deutlichste Warnsignal im Bestellprozess. Denn wer zu jeder Charge einen Befund hat, kann ihn auch zeigen. Wer ihn dagegen erst auf Nachfrage besorgt, besorgt ihn möglicherweise erst dann – und nicht unbedingt für Ihre Charge.
Die Gegenprobe in zwei Minuten
| Prüfschritt | Was Sie vergleichen |
|---|---|
| Etikett gegen Zertifikat | Chargennummer identisch? |
| Substanzname gegen Code | Trivialname und Entwicklungscode oder CAS passen zusammen? |
| Methode gegen Zahl | Ist zur Reinheit eine Methode angegeben? |
| Labor | Name und Anschrift vorhanden und auffindbar? |
| Datum | Prüfdatum plausibel zur Charge? |
| Vollständigkeit | Ganze Seite oder nur ein Ausschnitt? |
Welche acht Felder ein vollständiger Bericht enthält und wie sie zu lesen sind, steht ausführlich in Was steht im Analysezertifikat?.
Was wir bewusst nicht schreiben
Zunächst nennen wir keine Anbieter, deren Dokumente wir für zweifelhaft halten. Dafür fehlt uns die Grundlage – wir haben deren Chargen nicht geprüft. Die sechs Merkmale oben lassen sich an jedem Dokument selbst anwenden, auch an unserem.
Häufige Fragen
Reicht ein Analysezertifikat ohne Chargennummer?
Nein. Ohne Chargennummer ist der Befund keiner Lieferung zuzuordnen. Das Dokument mag zwar echt sein, allerdings sagt es nichts über die Ware in Ihrer Hand.
Kann ich ein Zertifikat beim Labor überprüfen lassen?
Sofern das Labor benannt ist, ja – deshalb ist die Nennung so wichtig. Bei einem anonymen „unabhängigen Labor“ ist die Prüfung von vornherein ausgeschlossen.
Was bedeutet HPLC in diesem Zusammenhang?
Hochleistungsflüssigchromatographie. Dabei trennt sie die Bestandteile einer Probe auf und erlaubt eine Aussage über den relativen Anteil der Zielsubstanz. Ohne Angabe der Methode ist eine Reinheitszahl nicht einordenbar.
Woran erkenne ich, dass ein Zertifikat zu meiner Lieferung gehört?
An der Übereinstimmung von Chargennummer auf Etikett und Bericht. Alles andere – Substanzname, Menge, Format – kann zufällig passen.
Quellen
- Analysezertifikate der einzelnen Chargen – vollständige Scans der Prüfberichte
- Was steht im Analysezertifikat? Die acht Felder erklärt – Aufbau eines vollständigen Prüfberichts
Hinweis: Alle hier angebotenen Substanzen sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt (Research Use Only). Sie sind nicht für die Anwendung am Menschen oder am Tier bestimmt.
Wer diese sechs Merkmale prüft, kann ein gefälschtes Analysezertifikat in wenigen Minuten erkennen.
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